Zur Suggestion

Mai 3, 2008

C h a r l e s M o r i c e

Die Suggestion vermag, was kein Ausdruck zuwege bringen könnte. Sie ist die Sprache der Korrespondenzen und Affinitäten von Seele und Natur. Statt der Dinge Reflex auszudrücken, dringt sie in sie ein und wird deren eigene Stimme. Die Sugestion ist niemals gleichgültig, ist ihrem Wesen nach immer neu, denn sie nennt das Verborgene, Unerklärte und Unausdrückliche besagter Dinge. Von einem alten Wort erweckt sie die Illusion, daß man es zum erstenmal liest. Vor allem, so wie sie in den zur Sprache gebrachten Dingen redet, spricht sie auch in den Seelen, an die sie sich wendet: Wie der Klang, das Echo weckt sie das Gefühl des unmöglichen Ausdrucks im Geist des Aufmerkenden, und da sie sich niemals der sterilen Banalität einer konventionellen Schreibweise bedient, meidet sie die kalten wissenschaftlichen Termini. Sie wird lieber die von ihr hervorgerufene allgemeine oder besondere Wirkung einer Farbe als deren Namen nennen, wird auch nicht eine Blume beschreiben oder ziellos aussprechen, sondern, ist das Erscheinen der Blume erreicht, die von ihr hervorgebrachte Empfindung hinzufügen. – Allein die Suggestion kann so auf einigen Zeilen die fortgesetzte Kreuzung und Mischung der Details wiedergeben, wozu der Ausdruck Seiten aufwenden müßte.
Viel mehr als der Ausdruck, der häufig gezwungen ist, die überkommene Sprache zu mißhandeln, um hinter ihr zurückzutreten oder vor ihr aufzutrumpfen, respektiert die Suggestion die überlieferte Sprache, wobei sie freilich nur den lebendigen Traditionen folgt. Sie sträubt sich gegen die Verarmung des Wortschatzes, erinnert sich der so hübsch redenden Rabelais und Troubadours, bittet den Leser, die Wörter zu kennen. Und sie respektiert die Sprache um so mehr, als sie, statt blind und sklavisch zu reden, zu den Quellen jeder Sprache zurückkehrt: zu den Gesetzen der Anpassung der Wortklänge und -farben an die Ideen.

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